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WISAG FM-Club: Soziale Nachhaltigkeit sicherstellen

Senioren- und Pflegeheime: Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen

Wien, 10. Mai 2019 – Pflege verlangt eine ganzheitliche Planung, beginnt bereits beim Städtebau und endet bei individuellen Anforderungen und Wünschen der Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen. Dabei müssen Sicherheit, Sozialisation und Selbstbestimmtheit für die Menschen sichergestellt werden. Dazu bestand zwischen den Diskutanten des neunten FM-Clubs der WISAG Service Holding Austria zum Thema „Frische Anforderungen für eine reife Generation – Betreutes Wohnen, Senioren- und Pflegeheime“ Einigkeit. Diskutiert haben Isabella Jandl (Wohnservice Wien Ges.m.b.H.), Thomas Jedinger (Architekten Maurer & Partner ZT GmbH), Thomas Morgl (Silver Living GmbH) und Michael Wolfrum (Senioren Residenzen gemeinnützige BetriebsgmbH.). Durch die Veranstaltung mit rund 100 Gästen im DACH im Medientower am 08. Mai 2019 führte Heimo Rollett. Zu den Gästen zählten Wolfgang Braunberger und Ernst Fischer (beide BOE Gebäudemanagement), Anke Duchow (Strauss & Partner), Wolfgang Fessl (MRG Gruppe), Ottokar Benesch (Esterházy Betriebe), Peter Kovacs, Armin Hanschitz, Gunther Laher (alle Stadt Wien), Oliver Oszwald und Florian Rode (beide HNP Architects), Friedrich Sustr (Österreichische Nationalbank), Reinhard Walternberger (S-IMMO), Gernot Weingraber (IC Development) und Claudia Wolf (Eyemaxx Gruppe).

Thomas Fastenrath, Geschäftsführer der WISAG Service Holding Austria, betonte eingangs, dass die WISAG die Menschen für das Thema Pflege sensibilisieren will. „Es kann ja jeder jederzeit betroffen sein. Dann ist man auf die Leistungen und Angebote im Bereich der Betreuung und Pflege angewiesen.“ Fastenrath zog auch Parallelen zum Facility Management und sieht zwei wachsende Märkte, die durch unterschiedliche Faktoren wesentlich beeinflusst werden: „Der Fachkräftemangel ist im FM und in der Pflege eklatant und der wesentliche Faktor, der die jeweilige Branche im Wachstum bremst. Beide Branchen sind oftmals nicht erste Wahl bei der Berufswahl. Doch während beim FM die Branche selbst gefordert ist, die Lage zu verbessern, können beim Image der Pflege alle mithelfen.“

Gibt weder einzig richtige noch falsche Wohnform

Beim Thema Betreutes Wohnen, Senioren- und Pflegeheime sieht Michael Wolfrum zahlreiche Herausforderungen auf die EU-Länder zukommen. „Die demografische Entwicklung zeigt, dass Menschen immer älter werden. Aber die Anpassung an eine neue Wohnform ist immer mit Ereignissen verbunden, die eine Einschränkung mit sich bringen. Diese Schnittstelle zur Pflegebedürftigkeit ist die größte Herausforderung. Daher bieten die Seniorenresidenzen etwa ein Probewohnen an.“ Österreich unterscheide sich bei den Angeboten aufgrund des ausgeprägten Sozialstaats von seinen Nachbarländern, so Wolfrum, aber insgesamt gibt es doch eine Tendenz von Pflegeheimen hin zu Spezialheimen, bei denen Effizienz und Wirtschaftlichkeit möglich sind. Er stellt zudem klar, dass es „DIE eine Wohnform im Alter“ nicht gibt: „Jeder will sich Wohnen individuell gestalten.“

„Eine falsche Wohnform gibt es aber auch nicht“, meint Thomas Morgl. „Jedes Modell hat eine Berechtigung. Die Menschen benötigen möglicherweise ja auch über den Verlauf des Alterns hinweg unterschiedliche Modelle abhängig vom geistigen und körperlichen Zustand. Man kann nur einen Fehler machen: Die Senioren nicht in den Mittelpunkt zu stellen.“ Alle Generationen brauchen zudem Selbstbestimmtheit, Sicherheit und Sozialisation. „Die Entscheidung für einen Wohnungswechsel im Alter ist häufig eine, der man sich mit Angst nähert. Und diese Angst muss man den Menschen nehmen. Die Erfahrung zeigt, dass das Reinholen von neuen Bewohnern in eine bereits bestehende Gemeinschaft ungemein wichtig ist und mit professioneller Unterstützung meist auch sehr gut funktioniert“, so Morgl. „In diesem Zusammenhang ist es notwendig, ansprechende Gemeinschaftsräume für diese Begegnungen zu gestalten und diese auch zielgruppenorientiert „zu bespielen“. Diese betreuten Gemeinschaftsräumlichkeiten gepaart mit dem ganz persönlichen Rückzugsort – der eigenen Wohnung – geben Senioren die ungeheuer wichtige Freiheit, zwischen Gemeinschaft und Ruhe jederzeit frei wählen zu können.“

Präzise Planung birgt viele Chancen

Dem pflichtet auch Isabella Jandl bei und nennt drei weitere zentrale Punkte: „Selbstbestimmt entscheiden zu können und nicht zugewiesen zu werden, das ist ganz wichtig. Denn die Menschen werden nicht nur älter sondern wollen auch länger selbstbestimmt leben. Zweitens ist das Be- und Umsiedlungsmanagement wichtig. Wenn jemand nicht umziehen will, dann sollte man Möglichkeiten eines Umbaus in Erwägung ziehen und so planen, dass der Betreuer oder Pfleger auch dort wohnen kann. Ein dritter Punkt sind die Infrastruktur, Bebauungsdichte und Nahversorgung – sie sind die Grundvoraussetzung für Seniorenwohnen.“ Aktuell gebe es auch zahlreiche Projekte, bei denen Tandemwohnungen für Familienverbände geschaffen oder Senioren- mit Studentenwohnheimen verbunden werden. „Generationenübergreifende Bauten zu schaffen, ist enorm wichtig. Das ist soziale Nachhaltigkeit“, unterstreicht Jandl.

„Mehr Geld in die Planung zu investieren, birgt viele Chancen, es nicht zu tun, viele Risiken“, hebt Thomas Jedinger hervor. „Vernachlässigt werden vor allem die Außenanlagen und wie man sie nutzen und mit Leben erfüllen kann, um Interaktion zu ermöglichen. Und das beginnt bereits bei der städtebaulichen Planung.“ Er kritisiert zudem die Reduzierung von Betreutem Wohnen auf Barrierefreiheit mit Gemeinschaftsraum und mobiler Hilfe in den Wohnungen. „Es gibt zwischen betreutem Wohnen und Pflegeheimen noch eine große Palette an Möglichkeiten, die man mit unterschiedlichen und individuellen Wohnmodellen auffüllen sollte.“ Wichtig sei auch, Flexibilität zu gewährleisten, so Jedinger. „Wir haben etwa Module geschaffen, die 50 Quadratmeter groß sind. Ein Modul ist optimal für Singles, zwei für Paare, drei für Paare mit Kind. Meist geht es dann im Laufe des Lebens wieder zurück auf ein und zwei Module. Das muss man mitdenken, denn Menschen wollen gerne möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld bleiben.“

 

Bild 1 – Gruppenbild (v.l.n.r.): Moderator Heimo Rollett (immobranche.at), Michael Wolfrum (Senioren Residenzen gemeinnützige BetriebsgmbH.), Thomas Morgl (Silver Living GmbH), Thomas Jedinger (Architekten Maurer & Partner ZT GmbH), Isabella Jandl (Wohnservice Wien Ges.m.b.H.) und Thomas Fastenrath (Geschäftsführer der WISAG Service Holding Austria).

Bild 2 – Podium & Moderator (v.l.n.r.): Michael Wolfrum (Senioren Residenzen gemeinnützige BetriebsgmbH.), Thomas Morgl (Silver Living GmbH), Isabella Jandl (Wohnservice Wien Ges.m.b.H.), Thomas Jedinger (Architekten Maurer & Partner ZT GmbH) und Moderator Heimo Rollett (immobranche.at).

Bild 3 – Podium und Thomas Fastenrath (v.l.n.r.): Michael Wolfrum (Senioren Residenzen gemeinnützige BetriebsgmbH.), Thomas Morgl (Silver Living GmbH), Isabella Jandl (Wohnservice Wien Ges.m.b.H.), Thomas Jedinger (Architekten Maurer & Partner ZT GmbH) und Moderator Heimo Rollett (immobranche.at) sowie Thomas Fastenrath (Geschäftsführer der WISAG Service Holding Austria).

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